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Wie heißt der Mann, der in Zürich bei seiner Abschiebung gestorben ist?

Mär 20, 2010   //   News

Laut Wikipedia gibt es 6 W-Fragen eines Journalisten, die Grundlage jeder Recherche bilden.

1-Who? Who was involved?
2-What? What happened (what’s the story)?
3-When? When did it take place?
4-Where? Where did it take place?
5-Why? Why did it happen?
6-How? How did it happen?

Achten wir auf die Medienmitteilung Kantonspolizei Zürich, die für meiste Zeitungs- und Fernsehnachrichten als Grundlage bilden und deren Verfasser (anzunehmen) auch “Journalisten” sind. Im Grunde werden alle 6 Fragen in dieser Mitteilung beantwortet, wobei die Fragen “Why”  und “How” wegen der Subjektivität der Polizei mit Vorsicht zu genießen sind, weil sie aus den früheren Fällen bekanntlich “die Täter” waren. Die Mitteilung enthält sogar ergänzende Informationen, die u.a die Vergangenheit des Toten erläutern (…”der polizeilich wegen Drogenhandels verzeichnet war”, …”der seit einigen Tagen Hungerstreik gemacht hat” ) Soweit ist es gut.
Aber wie antwortet die Kantonpolizei Zürich die aller erste Frage „Who? Who was involved?“ ?

Es gibt 6 Sätze in der Mitteilung, die direkt das Hauptgeschehen erläutern. Kreative Journalisten der Kantonpolizei Zürich beantworten die Frage „Who“ in diesen 6 Sätzen mit 4 Bezeichnungen:

1- Ein Ausschaffungshäftling …
2- Der 29-Jährige, …
3- “Er” in drei hintereinder folgenden Sätzen, (unschöner Stil, ein Minuspunkt für die Kantonpolizei Zurich)
4- Der 29-jährige Nigerianer,

Alle anderen Sätze werden in Passiv gebildet und brauchen deswegen kein Subjekt.

Bundesamt für Migration der Schweiz folgt den gleichen “Bekanntmachung Stil” in einer wesentlich kürzeren Mitteilung und schreibt einmal “Ausschaffungshäftling” und einmal “Ein nigerianischer Ausschaffungshäftling”.

Was macht die Presse? Will die Presse nicht wissen, wie der Mann heißt?

Der Chef des Bundesamtes für Migration Alard Du Bois-Reymond, der beim Tod des Nigerianers nach seinen Aussagen zufällig dabei war, redet in einem Interview mit der Aargauer Zeitung mit dem gleichen “Stil” wie die Polizei. Er ergänzt die Bezeichnungen des Toten weiter wie “der Häftling”, “den später Verstorbene “, “dem Mann”, “der Tod des Häftlings”. Aargauer Zeitung stellt in dem gleichen Interview die folgende Frage
“Spielte die Tatsache mit eine Rolle, dass der Häftling durch seinen Hungerstreik schon geschwächt war?” kommt aber nicht auf die Idee zu fragen, wie der Mann heißt.  Stattdessen stellt die Aargauer Zeitung zur Stunde in ihrer Online Ausgabe in der Top Story die Frage, “Warum sich die Aargauerinnen gerne ausziehen?” mit einem Foto einer halb nackten Dame. Also es ist dann vielleicht keine ernst zu nehmende Zeitung nur einfache Meinungsmacher

Dann schauen wir den “ernstzunehmende” Schweizer Fernseher (SF) an, der in der Sendung “10vor10″  in Begleitung der dramatischen Bilder von einem Gefängnis in Genf mit hinter den Gittern stehenden Häftlingen von dem Geschehen berichtet. Die Nachrichtensprecherin, die nicht halb nackt ist, spricht wie folgt:

“Gestern hätten sie mit diesem Flugzeug von Zurich aus ausgeschafft werden sollen, doch soweit kam es nicht. Weil ein wegen drogen handeln verzeichnete Mithäftling kurz vor dem Start des Sonderflugs starb, wurde der Flug abgebrochen. ” (Im laufe der Nachricht ist ein Flugzeug  im Bild zu sehen.)

Wie man gleich sehen kann, ist der Schweizer Fernseher mit der Bezeichnung “wegen drogen handeln verzeichnete Mithäftling” viel kreativer als Züricher Kantonpolizei . Deswegen muss man ihn vielleicht ernstnehmen.

Eine andere ernstzunehmende Zeitung NZZOnline berichtet weiter ohne Namen des Mannes aber auch von “problematischen Nigerianer”:

“Dass es mit Nigerianern gehäuft Schwierigkeiten gibt, führt Urs von Arb, Chef Rückkehr im Bundesamt für Migration, darauf zurück, dass es sich oft um Kleinkriminelle mit einem schwierigen Umfeld handle. Der Verstorbene war 2005 in die Schweiz eingereist, auf sein Asylgesuch wurde nicht eingetreten. Laut Kantonspolizei war er wegen Drogenhandels vorbestraft. ” (Obwohl die Kantonpolizei  “wegen Drogenhandels verzeichnet war” sagt.)

Auch die “große” Nachrichtenagentur AFP berichtet von “29-jähriger Nigerianer”, “dem Mann”, “Der Nigerianer” natürlich mit der falschen Information, dass der Nigerianer wegen Drogenhandel festgenommen war.

Immerhin berichtet heute NZZOnline trotz namenlosen Mann :

“Andere Quellen besagen, der später Verstorbene sei wegen seines besonders lauten und aggressiven Verhaltens von der übrigen Gruppe separiert worden. Es wurden ihm Hand- und Fussfesseln angelegt sowie ein Kopfschutz mit einer Art Bienennetz, wie es Imker tragen.”
Der Chef des Bundesamtes für Migration Alard Du Bois-Reymond, der bei der Abschiebung dabei war, sagt in dem gelichen Artikel “Er habe keine Gewalttätigkeiten feststellen können.” und im Schwiezer Fernseher “dass die Polizei sich sehr professional verhalten hat” (Was er mit Professionalität meint bleibt natürlich unklar.)

Heute ist der vierte Tag seit dem Abschiebetod in Zürich. Wir wissen immer noch nicht wie “der Mann” heißt.

Die Behörden sagen nicht, wie der Mann heißt. Die Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Fernseher berichten mit verschiedenen Bezeichnungen von einem Mann. Sie fragen die Behörden nicht wie der Mann heißt. Falls sie gefragt und keine Antwort bekommen hätten, berichten sie nicht, dass der Name des Mannes von Behörden nicht veröffentlicht wird. Sie singen das gleiche Lied wie die Polizei und Schweizer Behörden, darauf noch mit selbsterfundenen Anschuldigungen über den Mann.

Warum bleibt der Mann immer noch namenlos? Die Antwort kann ich euch sagen.

DIE “NEGER” HABEN KEINEN NAMEN!

Güclü Yaman

Filmemacher
www.journeyofnoreturn.com

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Jan 16, 2010   //   General

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